Impulse für den Umbau von Wirtschaft und Arbeitswelt in Richtung Klimaneutralität

Unter dem Dach der bundesweiten „Initiative Neue Qualität der Arbeit“ (INQA) sind in Baden-Württemberg zwei Netzwerke entstanden, die sich seit Jahren für eine Verbesserung der Qualität von Geschäfts- und Arbeitsprozessen einsetzen. „INQA“ wird vom BMBF und BMAS mitgetragen. Seit vielen Jahren wirkt das „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) im Netzwerk „Offensive Gutes Bauen Baden-Württemberg“ und „Offensive Mittelstand Baden-Württemberg“ mit. Für das Jahr 2022 haben sich beide Netzwerke mit Unterstützung des FST für den grundsätzlichen Wandel hin zu Klimaneutralität als Handlungsschwerpunkt ausgesprochen. Für den 1. Juli 2022 wird ein Kongress zu diesem Leitthema vorbereitet.

Im Vorfeld findet eine große Anzahl von Online-Veranstaltungen statt, um fachlich zu informieren und neue Gestaltungsansätze zu präsentieren. Sogenannte Fokusgruppen greifen eine Fülle von Themen auf von der „Kreislaufwirtschaft“ bis zu Qualifizierungsfragen. Das Veranstalterteam schreibt in der Übersicht aller Themenabende: „Neben den Themen wie Digitalisierung, Fachkräftemangel, Humanisierung der Arbeitswelt und den Auswirkungen der Pandemie stand spätestens seit den Leitsätzen des Bundesverfassungsgerichts (BVG) vom 24. März 2021 die Themen Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit und schonende Nutzung von Ressourcen im Mittelpunkt der öffentlichen Diskussion.“

Das „Forum Soziale Technikgestaltung“ veranstaltet am 15. März 2022 um 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr einen Onlinevortrag mit Diskussion zum Thema „Potenziale der Mitbestimmung zwischen Digitalisierung und Klimaneutralität – Das Projekt ,Der mitbestimmte Algorithmus‘ des ,Forum Soziale Technikgestaltung‘ (FST) und der FST-Vorschlag ,Moderierte Spezifikationsdialoge‘“.
Vortrag von Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung (FST), Projekt PROTIS-BIT, Gründungsmitglied der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“, Partner im BMAS-INQA-Projekt DigiGAAB, Moderator des www.blog-zukunft-der-arbeit.de
Die Anforderung ist unzweideutig: Wirtschaft und Arbeitswelt müssen schneller klimaneutral werden. Wie kann der Prozess der gestalteten Digitalisierung diesen Wandel unterstützen? Wie kann die betriebliche Mitbestimmung auf dem Gebiet der sogenannten „Künstlichen Intelligenz“ zu Humanisierung und Klimaschutz beitragen? Das vom gewerkschaftsnahen „Forum Soziale Technikgestaltung“ vorangebrachte Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ will durch ausgehandelte Kriterien für die Gestaltung algorithmischer Steuerungs- und Entscheidungssysteme (anderswo als „KI“ bezeichnet) und deren Implementierung in die Arbeitswelten diesen Umbau forcieren helfen. Moderierte Spezifikationsdialoge zwischen kommenden Anwendenden und Entwickelnden sollen interessensorientierte Lösungen ermöglichen.
Link zur Anmeldung für die Zusendung des Zugangslinks

Zum 4. Mai 2022 lädt das FST um 18.00 Uhr zum Onlinevortrag mit Diskussion unter dem Titel „,Vorausschauende Regionalisierung‘ – Impulse für das Handwerk und für KMUs aus den Diskussionen im Handwerksprojekt DigiGAAB“.
Vortrag von Welf Schröter, Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST), Projekt PROTIS-BIT, Gründungsmitglied der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“, Partner im BMAS-INQA-Projekt DigiGAAB, Moderator des www.blog-zukunft-der-arbeit.de
Wir kennen alle seit den neunziger Jahren, dass man Waren im Internet über eine Einkaufsplattform bestellen kann. Man nennt dies elektronischen Handel oder auch „E-Commerce“. Im Buchhandel hat sich in der Vergangenheit gezeigt, welche Folgen eine einseitige Radikalisierung des Bücherkaufens über das Netz mit sich bringt. Für das Bauhandwerk könnte eine vergleichbare Entwicklung einsetzen. Es ist zu erkennen, dass in naher Zukunft private Plattformbetreiber versuchen werden, komplette Handwerksdienstleistungen über Plattformen dem privaten Endkunden auf dem Sofa anzubieten. Die Übertragung des E-Commerce-Gedankens auf die Welt des Handwerks käme für viele Betriebe einer schwierigen Herausforderung gleich. Sie verlören schrittweise den direkten Kontakt zu ihren Kundinnen und Kunden. Die Betriebe würden zu Subunternehmen von Plattformbetreibern. Damit das Bauhandwerk einem ähnlichen Schicksal wie dem Buchhandel entgeht, muss es eigene Initiativen ergreifen. Das Konzept der „Vorausschauenden Regionalisierung“ (Schröter) könnte einen solchen Impuls unterstützen. Damit könnte einer Fremdsteuerung der Betriebe durch externe marktmächtige Plattformagenturen entgegengetreten werden. Notwendig ist es, die eigenen Geschäfts- und Kundendaten auf Plattformen rechtlich unter der Hoheit des Handwerks zu halten, um zu vermeiden, dass externe Plattformbetreiber mit Hilfe solcher Daten den Betrieben die Kundschaft abwerben.
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Link zur Übersicht des Gesamtprogramms

Link zum Impulspapier „Nachhaltigkeit als zusätzliches Leitmotiv – Das Ziel der Nachhaltigkeit als prägender Aspekt der Netzwerke ,Offensive Mittelstand‘ und ,Offensive Gutes Bauen‘ BA.-Wü. (INQA Partnernetzwerke) nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutz“

 

Warum wir unsere Vorstellungen von Digitalisierung und Mitbestimmung erweitern müssen

Nach mehr als dreißig Jahren der Digitalisierung kommt eine neue Welle digitaler Technik auf die Arbeitswelten in den Betrieben zu. Diese neue Welle wirkt anders und muss anders gestaltet werden als das bisher Bekannte. Nun muss ein Teil der Technik nicht nach dem Experimentieren sondern vor (!) deren Einführung gestaltet werden. Das verlangt von Betriebsrätinnen und Betriebsräten, von Vertrauensleuten und Beschäftigten ein Umdenken. Wir müssen Digitalisierung neu verstehen. Wir müssen Mitbestimmung erweitern. Die neuen Technologien haben viel mit speziellen Algorithmen zu tun. Deren Einführung und Anwendung brauchen zusätzliche Kompetenzen. Vor allem aber geht es um eine Aufwertung des Erfahrungswissens von Kolleginnen und Kollegen.

Das „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) treibt das Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ voran. Was bedeutet dies? Wie kann es einer humanen Arbeitswelt dienen? Ein FST-Vortrag vom 25. Januar 2022 auf Einladung der IG Metall Wolfsburg, der IG Metall Südost-Niedersachen und der Kooperationsstelle Hochschule-Gewerkschaften Südost-Niedersachen an der TU Braunschweig vor Kolleginnen und Kollegen von VW und deren Zulieferern will Antworten geben. Der sehr verständlich gehaltene Beitrag trägt den Titel „Warum wir unsere Vorstellungen von Digitalisierung und Mitbestimmung erweitern müssen – Neue Technologien erfordern neue Wege sozialer Gestaltung“. Er ist frei zugänglich unter diesem Link.

 

„Forum Soziale Technikgestaltung“ im DGB-Geschäftsbericht 2018–2021

Anlässlich der Verabschiedung des bisherigen baden-württembergischen DGB-Vorsitzenden Martin Kunzmann und der Wahl seiner Nachfolge am 29. Januar 2022 wurde der umfangreiche „Geschäftsbericht Deutscher Gewerkschaftsbund Bezirk Baden-Württemberg 2018–2021“ mit dem Titelmotto „Zukunft gestalten wir“ veröffentlicht. Der Bericht gibt den neugewählten Vorsitzenden Kai Burmeister und Maren Diebel-Ebers Rückenwind für die kommende Arbeit.

Bestandteil des Berichtes ist eine zusammenfassende Darstellung der Aktivitäten des „Forum Soziale Technikgestaltung“(FST) im genannten Zeitraum. Auf den Seiten 98 bis 103 wird insbesondere das FST-Schwerpunktvorhaben „Der mitbestimmte Algorithmus“ beschrieben. Siehe Link unten. Einer der Schlüsselsätze ses Beitrages lautet:

„Der digitale Wandel der Betriebe und der digitale Wandel der Arbeitswelten gelingen eher dann, wenn Beschäftigung nicht nur bestimmt, sondern qualitativ und rechtsbasiert mitbestimmt wird. Mitbestimmung wird somit zu einem Erfolgskriterium des technischen, klimaneutralen und sozialen Umbaus der Arbeitswelten.“

Am Ende des Geschäftsberichtes wird auf den früheren Leitantrag des DGB-Bezirks hingewisen, in dem es unter anderem heisst: „Der DGB Baden-Württemberg wird gemeinsam mit dem Forum Soziale Technikgestaltung darauf hinwirken, dass die Belange von Beschäftigten und Nutzer*innen einen größeren Stellenwert in der Innovations- und Technologiepolitik des Landes einnehmen.“ Auf Seite 111 wird die Umsetzung des Beschlusses in der zu Ende gegangen Amtsperiode erläutert.

Der DGB-Geschäftsbericht 2018–2021 kann gelesen bzw. heruntergeladen werden über diesen Link.

 

Etwas Nachdenkliches zur derzeitigen Diskussion um die sogenannte „Künstliche Intelligenz“ – Ein Kommentar

Immer wieder begegnet uns in der Debatte um jene neue Stufe der Digitalisierung der Arbeitswelten der Begriff „Künstliche Intelligenz“. Diese sogenannte „Intelligenz“ ist keine Intelligenz, wie wir den Begriff bislang verwendet haben. Intelligenz entsteht durch Erfahrung, durch die Aneignung und das Bewerten von Informationen, durch das Sammeln von Wissen, durch Gefühle, durch Bewusstsein, durch Ethik und Moral, durch Gespräche, durch Lernen und vieles mehr. Intelligenz ist ein ganzheitlicher sozialer und kultureller Begriff, der den ganzen Menschen ergreift. Nicht umsonst gibt es auch die „emotionale Intelligenz“.

Der Begriff Intelligenz ist ähnlich wie das Wort Lernen etwas, das durch die Anwendung aller Sinnesorgane erwächst. Dazu gehört nicht nur das Hören und das Sehen, sondern auch das Tasten, Riechen, Schmecken, Fühlen. Wer sich nur vor dem Bildschirm aufhält, reduziert seine Sinneswahrnehmungen vor allem auf Hören und Sehen. Wer nur Computerarbeit leistet, beginnt in seinen Wahrnehmungen zu verkümmern. Vergleichbares geschieht mit Intelligenz. Wer sie nicht vielseitig kommunikativ fordert, sie nicht mit allen Sinnen praktiziert, erwirbt ein verringertes Format von Intelligenz. Aus dieser Perspektive ist „Künstliche Intelligenz“ keine Intelligenz. „KI“ ist ein mathematisches und mathematisierendes Werkzeug. Es ist brillant gemacht und notwendig. Den IT‘lerinnen und IT’lern gebührt dafür Respekt. Diese neue Stufe der Digitalisierung benötigen wir für Fortschritte im Klimaschutz, für die Steigerung der Material- und Energieeffizienz, in der vorausschauenden Wartung, in der Medizin etc. Aber es hat nichts mit Denken, nichts mit Lernen zu tun. „KI“ ist kein „Ich“ und hat kein „Ich“.

Um die sogenannte „KI“ als mathematisches Werkzeug klug nutzen zu können, bedarf es eines guten fachlichen Dialoges zwischen Technik und Sozialem, zwischen Technikwissenschaft sowie Informatik auf der einen Seite und Sozial- und Gesellschaftswissenschaften auf der anderen Seite. Dieser Dialog muss fachübergreifend also interdisziplinär ablaufen. Doch hier beginnen die Schwierigkeiten. Viele technikbegeisterte Männer betrachten die Auseinandersetzung mit den nichttechnischen Erfahrungswelten als unnötig und überflüssig. Sie halten ihr „KI“-Wissen für höherwertig und für allein richtunggebend. Dabei begehen sie einen erheblichen Denkfehler: Eine übergroße Zahl der in der sogenannten „KI“-Debatte verwendeten Schlüsselbegriffe sind den Sozial- bzw. Gesellschaftswissenschaften entnommen. Dies zeigt eine kleine Auswahl: Teile der Informatik haben sich diese Begriffe angeeignet, haben sie inhaltlich gebrochen und sie danach mit einseitig informationstechnischem Inhalt aufgefüllt. Das wäre dann legitim, wenn dies aus einem lebendigen Dialog mit den Gesellschaftswissenschaften geschähe. Doch das Gegenteil ist der Fall.

Die „KI“-Seite bezeichnet eine mathematische Datenverarbeitung als „Lernen“. Wer sich lernpädagogisch um junge Menschen in den Berufsschulen bemüht, um diesen einen Einstieg in die digital-gestützten Arbeitswelten zu ermöglichen, wird über eine solche Begriffsverwendung eher entsetzt sein. Zweifellos benötigen wir einen rascheren Einstieg in die neue Stufe der Digitalisierung (algorithmische Steuerungs- und Entscheidungssysteme). Wir brauchen Qualifizierung und gute Anwendungen. Wer den Wandel aber einseitig technikzentriert vorantreibt und die gesellschaftswissenschaftliche Seite ausgrenzt, will keinen Erfolg für viele sondern nur Dominanz für wenige.

Wir brauchen mutige Frauen und Männer aus der Informatik, die zum fachlichen interdisziplinären Dialog mit den Gesellschaftswissenschaften bereit sind. Wir benötigen mutige Frauen und Männer aus den Gesellschaftswissenschaften, die zum fachlichen interdisziplinären Dialog mit der Informatik und der Mathematik bereit sind. Nur so wird die erhoffte „vertrauensvolle KI“ eine wirkliche Chance bekommen. Eine soziale und human gestaltete „KI“-Arbeitswelt wird nur gelingen, wenn die soziale nichttechnische Forschung auf gleicher Augenhöhe einbezogen ist.

 

Impulspapier zur Klimaneutralität wirkt nach

Im Sommer vergangenen Jahres haben sich verschiedene baden-württembergische Akteure aus Wirtschaft und Arbeitswelt zur Erstellung eines Impulspapieres über die Bedeutung von Klimaneutralität zusammengefunden. Einer der Anlässe war das Urteil des Bundesverfassungsgerichts (BVG) zum verfassungsrechtlichen Klimaschutzziel.

Aus den regionalen INQA-Netzwerken „Offensive Gutes Bauen Baden-Württemberg (OGB BW)“ und „Offensive Mittelstand Baden-Württemberg (OM BW)“, zu deren Partner das „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) gehört, kam der Anstoß zu einem Impuls, mit dem das Thema „Klimaneutralität“ im Geschäfts- und Arbeitsleben einen deutlich höheren Stellenwert erreichen sollte. Das FST hat daran aktiv mitgeschrieben. Die Abkürzung INQA steht für „Initiative Neue Qualität der Arbeit“. INQA wird vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) wie auch vom Bundesforschungsministerium (BMBF) mitgetragen.

Das BVG hatte unter anderem festgehalten: „Das verfassungsrechtliche Klimaschutzziel des Art. 20a GG ist dahingehend konkretisiert, den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur dem sogenannten „Paris-Ziel“ entsprechend auf deutlich unter 2 °C und möglichst auf 1,5 °C gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen.“

Als Folge des Impulspapiers (siehe pdf-Link unten) findet am 1. Juli 2022 ein gemeinsamer Kongress von OGB BW und OM BW in Stuttgart statt. Es sollen gute Beispiele für klimaneutrales Wirtschaften und Arbeiten präsentiert werden. Ab dem 18. Januar 2022 führen die Veranstaltenden eine lange Reihe von Online-Themen-Veranstaltungen durch. Das „Forum Soziale Technikgestaltung“ wirkt mit zwei Vorträgen zum Thema „Vorausschauende Regionalisierung“ (in Kooperation mit BMAS-Handwerksprojekt DigiGAAB) und zur Herausforderung „Der mitbestimmte Algorithmus“ (in Kooperation mit dem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Betriebsräte-Projektes PROTIS-BIT) mit. Das Gesamtprogramm wird in Kürze veröffentlicht. Zum 18. Januar 2022 sind alle Interessierten zum Auftakt eingeladen (siehe Link zum Einladungspapier).

Link zum Impulspapier Klimaneutralität

Link zum Impulspapier Klimaneutralität auf der WebSite des BMAS-Projektes DigiGAAB

Link zum Einladungspapier für den 18.1.2022

 

Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung – Rede von Martin Kunzmann

Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung beim DGB Baden-Württemberg
Rede von Martin Kunzmann, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg

Jubiläumsveranstaltung „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ mit dem Titel „Zukunft Mitbestimmung 2025 – Von der Mitbestimmung über die Anwendung der Technik zur Mitbestimmung in der Gestaltung der Technik“ am 13. Oktober 2021 im Willi-Bleicher-Haus in Stuttgart

Es ist ein besonderes Jubiläum, zu dem ich Sie und Euch heute herzlich willkommen heiße, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste, liebe Kolleginnen und Kollegen. Wir feiern heute „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ beim DGB Baden-Württemberg. Es ist ein Jubiläum der Würdigung und der Wertschätzung aller ehrenamtlicher Kolleginnen und Kollegen, die das Netzwerk über 30 Jahre getragen haben. Und es ist ganz wesentlich dein Jubiläum, lieber Welf. Du bist Ideengeber, Organisator, Gesicht und Stimme des FST! Danke für diese herausragende Leistung!

Dreißig Jahre Technikgestaltung sind dreißig Jahre der Auseinandersetzung mit der Digitalisierung der Arbeitswelten. Gemessen an der Geschwindigkeit, mit der sich die Digitalisierung weiterentwickelt, ist es eine Epoche. Das zeigt schon das Spannungsfeld auf: Was ist das Wissen heute noch wert, das sich ein Programmierer 1991 angeeignet hat? Wie können die Beschäftigten ein ganzes Arbeitsleben lang Schritt halten mit der technischen Entwicklung? Die Gewerkschaften sind nicht technikfeindlich.

Wir verstehen uns als Teil der Lösung, nicht des Problems. Das gilt für die Gestaltung der sozial-ökologischen Transformation genauso wie für die Digitalisierung. Aber wir haben ganz klare Anforderungen: Der Mensch muss an erster Stelle stehen. Die Technik ist lediglich ein Instrument, um Arbeit zu verbessern. Sie ist kein Selbstzweck. Genau das ist die Kernaufgabe und das Selbstverständnis des Forums: Im Geiste der Humanisierung der Arbeit rückt es die Würde des Menschen ins Zentrum des technologischen Wandels: die der Beschäftigten genauso wie die der Erwerbssuchenden. Das ist auch eine Frage der Ethik! Damit bildet das FST einen Gegenpol zu den Mark Zuckerbergs und Elon Musks dieser Welt!

Die umfangreichen Leistungen des „Forum Soziale Technikgestaltung“ haben den Frauen und Männern in Betriebs- und Personalräten, in Belegschaften und Gewerkschaften neue Wege aufgezeigt, wie Menschen den digitalen Umbau ihrer Berufs- und Lebenswelten nach ihren Interessen beeinflussen und verbessern können. Dabei galt und gilt ein Leitmotiv, auf das du, lieber Welf, sehr zu recht großen Wert legst: Technische Innovationen sind nur dann wirklich dauerhaft erfolgreich, wenn sie mit sozialen Innovationen verknüpft sind.

Hard- und Software stellen als sogenannte „harte technische Faktoren“ des Wandels nur ungefähr fünfzig Prozent der Erfolgschancen dar. Die anderen fünfzig Prozent werden von den „weichen, nichttechnischen Faktoren“ gebildet. Letztere sind die entscheidenden Punkte für das Gelingen einer tatsächlichen Innovation. Eine Datenbank kann noch so ausgefeilt sein, wenn sie nicht benutzerfreundlich ist, wird sie links liegen gelassen.

Die Motivierung der Menschen, ihre Qualifizierung, ihr Wunsch nach sozialer Sicherheit, ihre Forderung nach Gleichberechtigung, ihr Streben nach Anerkennung, Ihre Lebensplanung, ihr Ringen um Selbstbestimmung gehören mitten hinein in die Technikdebatte. Der Schlüssel zum Erfolg einer Innovation liegt nicht primär in der Einführung der Technik. Es ist vielmehr die Ermutigung der Menschen, die Prozesse in Gang setzt.

Genau das ist eure Kompetenz, liebe FSTler*innen. Ihr ermutigt, beratet und begleitet Kolleginnen und Kollegen, die mit diesen Fragestellungen konfrontiert sind. Auch in Berlin wird eure Arbeit gewürdigt. Ich zitiere aus der Grußadresse des DGB-Vorsitzenden Reiner Hoffmann:

Als das „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) am 7. Oktober 1991 im Stuttgarter Gewerkschaftshaus, dem heutigen „Willi-Bleicher-Haus“, gegründet wurde, trafen sich 120 Frauen und Männer aus Beschäftigtenvertretungen und Gewerkschaften. Über dreißig Jahre hinweg ist die Zahl auf über 4.650 Frauen und Männer aus Betriebs- und Personalräten sowie aus Belegschaften angewachsen. Kolleginnen und Kollegen aus Produktion und Dienstleistung, aus Verwaltung und Handwerk, aus Bildungs- und Sozialträgern, aus Kirchen und Wissenschaften führen Erfahrungs- und Fachwissen im Netzwerk zusammen. Dafür gilt dem Initiator, Mitbegründer und Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, dem Kollegen Welf Schröter, großer Dank und Anerkennung. Er steuert moderierend das Netzwerk immer wieder nach vorne in die aktuellen technologischen Herausforderungen. (Zitat-Ende)

Teil dieser Moderation waren die Einladungen an Gäste, an wissenschaftlich nahestehende Freundinnen und Freunde wie an politische Kontrahenten. So diskutierten im Forum unter anderem Joseph Weizenbaum vom Massachusetts Institute of Technology, Frieder Naschold vom Wissenschaftszentrum Berlin, Hans-Jörg Bullinger von der Fraunhofer-Gesellschaft, Menno Harms, damals Chef von Hewlett Packard, Jutta Rump vom Institut für Beschäftigung, Sabine Pfeiffer heute an der Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Zu nennen sind zudem auch Ralf Reichwald von der Technischen Universität München wie auch Dieter Klumpp von der SEL-Stiftung für Kommunikationsforschung. Der frühere Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg Berthold Huber betonte in seiner Festrede zum zehnjährigen Bestehen des FST die Rolle von Bildung im digital gestützten Wandel. Zu seinem Auftritt 2001 erschienen die früheren Bezirksleiter Gerhard Zambelli und Ernst Eisenmann. Walter Riester schrieb als Bundesminister für Arbeit eine Grußbotschaft. Die Liste der Gäste und Gespräche ließe sich noch lange, lange fortsetzen.

Das „Forum Soziale Technikgestaltung“ sucht den Dialog und findet ihn. Doch diese Debatten waren nicht von Beliebigkeit geprägt. Aus pluralen Argumentationen entstanden Handlungsempfehlungen für Beschäftigtenvertretungen. In all diesen Jahren haben die Aktiven des Forums ihre Arbeit nicht leicht gemacht. Das FST forderte sicherlich auch die Gewerkschaftsmitglieder heraus, die am eingeübten Status quo festhalten wollten. Es irritierte durch Vorschläge wie etwa die Beschleunigung der Einführung digitaler Werkzeuge, die zügige Einführung von Telearbeit, die raschere Nutzung von Cloud-Plattformen. Obwohl das FST sich eindeutig für eine sozial gestaltete Digitalisierung aussprach, warnte das Forum zugleich vor einer Technikfixierung. Denn eine einseitige Technikzentrierung schwächt die Position der Beschäftigten und die Chancen der Mitbestimmung. „Wer nur von der Technik aus denkt, hat schon den Weg zum Misserfolg eingeschlagen“, betont Welf Schröter immer wieder.

In seinem Denkpapier zur „Fortschreibung der „Innovationsstrategie 2020“ der Landesregierung von Baden-Württemberg“ äußerte Welf – ich zitiere: „Das Denken von den Menschen her und das Denken von den Prozessen her muss das technikzentrierte und produktzentrierte Denken ablösen.“

Heute im dreißigsten Jahr fordert das „Forum Soziale Technikgestaltung“ die Gewerkschaften erneut heraus. Seit rund fünf Jahren arbeitet das FST an einer neuen zusätzlichen Gestaltungsstrategie. Sie wird diskutiert unter dem Motto „Der mitbestimmte Algorithmus“. Neue digitale Möglichkeiten verlangen neue Lösungen. Ich zitiere noch einmal Reiner Hoffmann:

Heute ist der Ansatz des mehrfach ausgezeichneten „Forum Soziale Technikgestaltung“ aktueller und wichtiger denn je. Mit dem herausfordernden Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ mischt sich das FST selbstbewusst in die Debatte um die Zukunft algorithmischer Steuerungs- und Entscheidungssysteme – auch „Künstliche Intelligenz“ genannt – mit eigenen Anforderungen und Kriterien ein. Das FST ist ein lernendes Netzwerk. Lernend im Sinne eines menschlichen Miteinanders und der Durchsetzung der Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Erwerbssuchenden und Selbstständigen. (Zitat-Ende)

Die Kolleginnen und Kollegen im FST rufen uns auf, uns für ungewohnte Gedanken und Ansätze zu öffnen. Wir dürfen nicht hinter der Technikentwicklung herlaufen. Wir müssen den Anspruch erheben, steuernd einzugreifen. Das Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ verlangt von Beschäftigtenvertretungen wie auch von den Gewerkschaften eine qualitative Erweiterung der bisherigen Interessens-, Betreuungs- und Beratungstätigkeiten. Wir müssen uns stärker einmischen. Soziale Technikgestaltung muss deutlicher im Fokus unseres Handelns liegen. Gestaltung heißt dabei, dass sich die Akteure auf gleicher Augenhöhe begegnen.

Lieber Welf, seit der Gründung im Jahr 1991 leitest Du das „Forum Soziale Technikgestaltung“. Ich will auf ein paar Punkte der vollbrachten Arbeit eingehen:

• In manchen Jahren hast Du achtzig bis hundert Vorträge in zwölf Monaten gehalten.
• In den zurückliegenden dreißig Jahren hattest Du schätzungsweise um die zweitausend öffentliche Auftritte.
• Du nimmst an nicht-öffentlichen Sitzungen von Konzern- und Gesamtbetriebsräten, von Gesamtpersonalräten, Personalräten und Betriebsräten teil.
• Du warst in Dutzenden von Technologieprojekten von Bundes- und Landesministerien, von EU und Kommunen involviert.
• Du hast weit über hundert Fachaufsätze geschrieben und mehr als anderthalb Dutzend Fachbücher herausgegeben.
• Du veröffentlichst im Blog Zukunft der Arbeit.
• Du warst mehrere Jahre E-Government-Beauftragter des DGB Baden – Württemberg.
• Du gehörtest längere Zeit dem Arbeitskreis Technologiepolitik beim DGB Bundesvorstand an.
• Du wirktest zeitweise im Gesprächskreis des Ressorts Zukunft der Arbeit beim Vorstand der IG Metall.
• Ulrike Zenke von der IG Metall Heidelberg und Du, Ihr gründeten im Jahr 2009 das regionale Betriebsrätenetzwerk ZIMT.
• Gemeinsam mit Verdi und mehreren Gesamtpersonalräten hast Du einen mehrjährigen Arbeitszusammenhang zur sozialen Gestaltung von Electronic Government und „Virtuellen Rathäusern“ initiiert.
• Im Jahr 2015 wurdest Du für das „Forum Soziale Technikgestaltung“ eigenständiges Gründungsmitglied der vom damaligen Wirtschaftsminister Nils Schmid gestarteten „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“.
• Heute unterstützt Du das vom Bundesarbeitsministerium geförderte Netzwerk „Initiative Neue Qualität der Arbeit INQA“ und bist in den INQA-Netzwerken „Offensive Mittelstand“ sowie „Offensive Gutes Bauen“ aktiv.
• Zusammen mit Partnerinnen und Partnern aus Baden-Württemberg hast Du an der Gründung des Netzwerkes „Sozialer Zusammen in digitaler Lebenswelt“ mitgearbeitet.
• Du organisierst seit bald fünfundzwanzig Jahren den Dialog „Arbeitswelt trifft Philosophie – Philosophie trifft Arbeitswelt“.
• Gemeinsam mit zahlreichen Kolleginnen und Kollegen hast Du beziehungsweise habt Ihr das FST-Planspiel „BetriebsratsArbeit auf Basis autonomer Software.-SYsteme BABSSY“ entwickelt und in die betriebsrätliche Bildungsarbeit eingeführt.
• Seit kurzem gibt es für das „Forum Soziale Technikgestaltung“ einen eigenen Youtube-Kanal, in dem mehr als zwanzig Video- und Audio-Dateien mit aufgezeichneten Vorträgen zu finden sind.
• Vor wenigen Tagen startete am 5. Oktober das neue Betriebsratsprojekt „PROTIS-BIT“ zur Gestaltung von Algorithmen, das von der IG Metall Heidelberg, dem Betriebsräte-Netzwerk ZIMT und dem „Forum Soziale Technikgestaltung“ getragen wird. Die Hans-Böckler-Stiftung fördert das Vorhaben.

Diese Auflistung stellt noch nicht einmal alle FST-Aktivitäten der letzten dreißig Jahre dar.

Für die Tätigkeiten wurden das FST und Du mehrfach geehrt. Für seine Verdienste um den Aufbau von Kompetenz auf dem Gebiet der Technikgestaltung wurde das „Forum Soziale Technikgestaltung“ im April 2021 mit einem Anerkennungspreis der Integrata-Stiftung Tübingen im Rahmen der Verleihung des „Wolfgang-Heilmann-Preises 2021“ ausgezeichnet.

Lieber Welf, Du hast für Betriebs- und Personalräte, für Gewerkschaften und Belegschaften wahrlich Großes geleistet und leistest es noch. Im Namen des DGB Baden-Württemberg und seiner Mitgliedsgewerkschaften möchte ich Dir von ganzem Herzen meinen besonderen Dank für Deine enorme Arbeit aussprechen.

Ebenso danke ich allen Kolleginnen und Kollegen, die im „Forum Soziale Technikgestaltung“ ehrenamtlich aktiv sind und sich für Wege zu „Guter Arbeit“ einsetzen. Sie alle leisten gemeinsam wichtige Beiträge für eine bessere Arbeitswelt, für eine bessere Lebenswelt.

Die Arbeit des „Forum Soziale Technikgestaltung“ ist getrieben von dem Anspruch, die Arbeitswelt und unsere Gesellschaft humaner zu gestalten. Es geht, – um es in den Worten der Widerstandskämpferin und Architektin Karola Bloch zu sagen –, um „die Sehnsucht des Menschen, ein wirklicher Mensch zu werden“. In diesem Sinne „Glück auf!“

 

Einladung zur Tagung für Betriebs- und Personalräte „Der demokratisierte Algorithmus“

Einladung zur Tagung „Der demokratisierte Algorithmus“ – 30 Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“ am 24. bis 25. November 2021 in der Evangelischen Akademie Bad Boll

Im Prozess der digitalen Veränderungen der Arbeitswelt müssen Perspektiven immer wieder neu überprüft werden. Die Fachtagung zum Jubiläum des Netzwerks „Forum Soziale Technikgestaltung“ bietet dazu sozialwissenschaftliche Expertise und reichlich Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion. Die Soziologin Prof. Dr. Sabine Pfeiffer zeigt im Eröffnungsvortrag, wie ökonomische Beweggründe die digitalen Veränderungen antreiben: „Digitalisierung als Distributivkraft – Über das Neue am digitalen Kapitalismus“. Welf Schröter analysiert in seinem Beitrag die Fragen: Wo stehen wir im Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“? Wie gelingt die partizipative Mitwirkung von Beschäftigten? Wie geht der Weg weiter zum „Demokratisierten Algorithmus“? Dr. Bettina-Johanna Krings vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse vermittelt in ihrem Beitrag Einblicke aus einem aktuellen Projekt zu ethischen Kriterien bei der Gestaltung von „Künstlicher Intelligenz“. – Die Jubiläumstagung will vor allem Betriebs- und Personalräte zur Diskussion einladen und Impulse vermitteln, wie das Ziel einer mitbestimmten und demokratisierten Arbeitswelt vorangebracht wird.

Link zum Tagungsflyer und Link zur Programm-WebSite der Evang. Akademie Bad Boll

Programm

Mittwoch, 24. November 2021

13:00 Uhr Ankunft in der Evangelischen Akademie Bad Boll, Zimmerbezug, Willkommenskaffee

14:00 Uhr Einführung Auf dem Weg zum „demokratisierten Algorithmus“ – 30 Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“ – Partner der Evangelischen Akademie Bad Boll
Begrüßung durch Karl-Ulrich Gscheidle, Wirtschafts- und Sozialpfarrer Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA)

14:15 Uhr Vortrag Digitalisierung als Distributivkraft – Über das Neue am digitalen Kapitalismus
Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Lehrstuhl für Soziologie (Technik-Arbeit-Gesellschaft), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

15:00 Uhr Rückfragen

15:15 Uhr Vortrag Zukunft der Arbeit und Erweiterung der Mitbestimmung: Das Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ des „Forum Soziale Technikgestaltung“
Welf Schröter, Mitbegründer und Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, Mitbegründer der „Allianz 4.0 Baden-Württemberg“, Projekt PROTIS-BIT, Projekt „KARL“, Redaktion „Latenz“

16:00 Uhr Rückfragen

16:15 Uhr Kaffeepause

16:45 Uhr Parallele Arbeitsgruppen
Arbeitsgruppe 1: Digitaler Kapitalismus (Karl-Ulrich Gscheidle)
Arbeitsgruppe 2: Der mitbestimmte Algorithmus (Welf Schröter)

18:00 Uhr Abendessen

19:30 Uhr Erinnerungen an dreißig Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“
Im Gespräch mit Welf Schröter und den Gästen Ulrike Zenke (IG Metall Heidelberg, Mitbegründerin des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT) und Michael Schwemmle (damals Deutsche Postgewerkschaft, dann ver.di und langjähriger Geschäftsführer der Input Consulting). Moderation: Karl-Ulrich Gscheidle

Donnerstag, 25. November 2021

08:00 Uhr Morgenimpuls

08:20 Uhr Frühstück

09:00 Uhr Einführung in den Tag – Ergebnisse der Diskussionen vom Vortag
Karl-Ulrich Gscheidle, Welf Schröter

09:20 Uhr Ethische Kriterien zur Gestaltung der „Künstlichen Intelligenz“
Dr. Bettina-Johanna Krings, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Projekt „KARL“

09:50 Uhr Rückfragen

10:00 Uhr Parallele Arbeitsgruppen (Fortsetzung)

10:45 Uhr Kaffeepause

11:00 Uhr Fortsetzung der Arbeitsgruppen

11:45 Uhr Abschlussplenum – Ergebnisse der Tagung (Karl-Ulrich Gscheidle, Welf Schröter)

12:30 Uhr Mittagessen / Ende der Tagung

Bitte melden Sie sich bis spätestens 5. November 2021 an unter Link zur Anmeldung
Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.

Gesamtpreis/Person: Bei Unterbringung im Einbettzimmer 130,00 €, bei Unterbringung im Zweibettzimmer 112,00 €. Ohne Übernachtung und Frühstück 63,00 €. In allen Preisen ist die gesetzliche Mehrwertsteuer enthalten. Kosten für nicht eingenommene Mahlzeiten werden nicht erstattet. Gäste ohne Übernachtung zahlen das Frühstück an der Rezeption.

 

Einladung zur Tagung „Der Mensch im Mittelpunkt: IST DIE ,KÜNSTLICHE INTELLIGENZ‘ DIE INTELLIGENZ DER ZUKUNFT?“

Der Mensch im Mittelpunkt: IST DIE „KÜNSTLICHE INTELLIGENZ“ DIE INTELLIGENZ DER ZUKUNFT? Dreißig Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“ (1991–2021)

Eine gemeinsame Veranstaltung des Fritz-Erler-Forums / Friedrich-Ebert-Stiftung Baden-Württemberg, der Evangelischen Kirchengemeinde Rottweil und des „Forum Soziale Technikgestaltung“ beim DGB Baden-Württemberg – unterstützt vom Netzwerk „Sozialer Zusammenhalt in digitaler Lebenswelt“ – Eine Tagung anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“.

Heilsbringerin oder das Ende der denkenden Menschheit?

„Künstliche Intelligenz“ ist derzeit aus den Digitalisierungsdebatten nicht wegzudenken. Von Mobilität bis Verwaltung, von Smartphone bis Rechenzentrum – die Einsatzgebiete sind mannigfaltig. Aber wovon sprechen wir überhaupt, wenn wir über „Künstliche Intelligenz“ reden? Reden wir wirklich von Intelligenz, ebenbürtig dem geistigen Leis- tungsvermögen des Menschen? Oder sprechen wir eher von
„selbstlernenden“ Computersystemen? Und was leitet sich aus dieser Debatte für unser Verständnis vom menschlichen Denken und Lernen ab? Was sagt das über unser Menschenbild aus? Um sich im Alltag in diesem komplexen Gebiet zu orientieren und sich eine Meinung bilden zu können, muss man weder Programmiererin noch Technik-Nerd sein. Und auf keinen Fall sollte man die Gestaltung der digitalen Zukunft ausschließlich den Technologieexpert_innen überlassen. Digitalisierung ist längst im Alltag angekommen, deshalb muss sie auch von allen gestaltet werden können.

Deshalb möchten wir uns von kompetenten Gesprächspartner_innen informieren lassen, uns im Austausch mit uns und ihnen orientieren und uns so eine kritische Meinung bilden. Wir freuen uns auf Sie!

Link zum Programmflyer

Freitag 29. Oktober 2021

14:30 ANKOMMEN BEI KAFFEE UND KUCHEN

15:00 BEGRÜSSUNG mit Esther Kuhn-Luz, Evangelische Kirchengemeinde Rottweil, Welf Schröter, Forum Soziale Technikgestaltung, Anja Dargatz, Fritz-Erler-Forum

15:15 WER DENKT, WER LENKT? MÖGLCHE ZUKÜNFTE DER AUTONOMIE UND KONTROLLE VON KÜNSTLICHER INTELLIGENZ
Impuls von Dr. Simone Kimpeler & Dipl. Ing. Lorenz Erdmann, Competence Center Foresight am Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

15:45 FRAGEN UND DISKUSSION

16:15 OPTIMIERT UND DIGITALISIERT – HERAUSFORDERUNGEN FÜR DAS BILD VOM MENSCHEN
Impuls von Gerhard Maag, Referent im Evangelischen Bildungszentrum Württemberg

16:45 DISKUSSION MIT DEM NEBEN-MENSCH: Was fand ich interessant? Was habe ich nicht verstanden und was möchte ich nachfragen?

17:00 PLENUMSDISKUSSION

18:00 GEMEINSAMES ABENDESSEN

19:00 PHILOSOPHIE TRIFFT ALLTAG Prof. Dr. Klaus Kornwachs, Physiker und Technikphilosoph, im Gespräch mit Anja Dargatz und Esther Kuhn-Luz

MUSIKALISCHE IMPULSE: ROTTWEILER SAXOPHONQUARTETT

20:30 AUSKLANG

21:30 ENDE DER VERANSTALTUNG

Samstag, 30. Oktober 2021

08:30 FREIHEIT UND VERANTWORTUNG: ANMERKUNGEN ZUM REFORMATORISCHEN MENSCHENBILD
EINE MORGENANDACHT mit Esther Kuhn-Luz, Evangelische Kirchengemeinde Rottweil

09:00 BEGRÜSSUNG UND EINFÜHRUNG IN DEN TAG

09:15 DIGITALISIERUNG, BIG DATA & „KI“ – GESCHÄFTSMODELL ODER GESTALTUNGSAUFTRAG?
Vortrag von Prof. Dr. Klaus Kornwachs, Physiker und Technikphilosoph

10:15 DISKUSSION IN ARBEITSGRUPPEN

11:30 PAUSE

11:45 WIE SCHAFFEN WIR ERMUTIGUNG? EMANZIPATION UND SUBJEKT-SEIN IN ZEITEN VON „KÜNSTLICHER INTELLIGENZ“ UND DIGITALISIERUNG
Impuls von Welf Schröter, Forum Soziale Technikgestaltung

GEMEINSAME ABSCHLUSSDEBATTE

13:00 MITTAGESSEN

14:00 ENDE DER VERANSTALTUNG

Anmeldung: https://www.fes.de/lnk/fachtag-digital-rottweil

Veranstaltungsort: Gemeindehaus Evangelische Kirchengemeinde, Johanniterstr. 30, 78268 Rottweil. EINGESCHRÄNKT BARRIEREFREI. Fußweg vom Bahnhof Rottweil, ca. 12 Minuten.

Teilnahmepauschale 30,00 Euro. Stellt der Beitrag ein Hindernis für Sie dar, wenden Sie sich bitte an die Organisator_innen. Übernachtung Im Hotel Sailer www.hotel-sailer.de (ca. 4 min Fußweg zum Gemeindehaus) haben wir ein kleines Kontingent an Zimmern reserviert – bitte buchen Sie dort direkt bis zum 12.09.2021 unter dem Stichwort Friedrich-Ebert-Stiftung. Der Preis pro Zimmer/Nacht beträgt 95,00 Euro. Im Preis enthalten ist ein reichhaltiges Frühstücksbüffet, W-LAN, Service und die gesetzliche Mehrwertsteuer. Kontakt und Organisation: Fritz-Erler-Forum: Daniela Jung email: daniela.jung@fes.de Tel.: 0711 / 24 83 94 – 42.

 

Einladung zum Online-Projektstart: Betriebsräte gestalten „intelligente“ Technologien

Einladung zum Online-Projektauftakt am 5. Oktober 2021 um 18.00 Uhr „Betriebsräte gestalten „intelligente“ Technologien“. Eine gemeinsame Veranstaltung der IG Metall Heidelberg, des „Forum Soziale Technikgestaltung“, des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT -– anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“.

Auftakt des Projektes „PROTIS-BIT – PROaktive Transferierbare InnovationsStrategien von Betriebsräten zur Beschäftigungssicherung auf der Basis ,Intelligenter‘“ Technologien – Empirische Studie zu Entwicklungspotenzialen und Gestaltungskompetenzen von Betriebsräten“.

Betriebsrätinnen und Betriebsräte sind im derzeitigen Umbau- und Veränderungsprozess mehrfach herausgefordert: Sie müssen zum einen die errungenen sozialen Standards im Vorgang der digitalen Transformation absichern und weiterentwickeln. Zum anderen sind die Akteurinnen und Akteure der Mitbestimmung mit der Frage konfrontiert, wie mit Hilfe und auf der Basis dieser qualitativ neuen Techniken in Gestalt sich selbst verändernder Software-Systeme, die sich von der „nachholenden Digitalisierung“ deutlich unterscheiden, Arbeitsplätze gesichert und neue Beschäftigung geschaffen werden kann. Betriebsräte wollen eigeninitiativ technische Innovationen für neue Produkte, Dienste und Dienstleistungen befördern sowie zugleich soziale Innovationen zur Humanisierung der Arbeitswelten voranbringen.

Zu den großen Herausforderungen gehört die besondere Eigenschaft eines Teils der sich selbst verändernden digitalen Systeme in Produktion, Dienstleistung und Verwaltung, die nach ihrer Implementierung kaum oder nicht mehr gestaltbar sind. Somit muss die soziale Ausgestaltung vorausschauend vor der Implementierung erfolgen. Das „Forum Soziale Technikgestaltung“ bezeichnet dies daher als „vorausschauende Arbeitsgestaltung“ bzw. „vorausschauende Technikgestaltung“.

Seit mehr als zehn Jahren ist im Raum Heidelberg das Betriebsräte-Netzwerk ZIMT aktiv, das von der IG Metall Heidelberg und dem „Forum Soziale Technikgestaltung“ getragen wird. Dieses Netzwerk vermittelt Orientierungswissen und sensibilisiert für Gestaltungsinitiativen. Die in ZIMT versammelten Akteurinnen und Akteure der Mitbestimmung verfügen über ein hohes Maß an Erfahrungswissen und Sachkompetenz. Das neue Projekt „PROTIS-BIT“ soll helfen, Mitbestimmungsakteure zu unterstützen, indem Handlungs- und Orientierungswissen (Praxisbeispiele) erarbeitet und online zur Verfügung gestellt wird. Das Projekt wird gefördert vom Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung I.M.U. (Referat Arbeit und Mitbestimmung) der Hans-Böckler-Stiftung.

Ablauf der Veranstaltung

18.00 Uhr Begrüßung
Ulrike Zenke, IG Metall Heidelberg, Mitbegründerin des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT

18.10 Einführung
Betriebsräte gestalten „intelligente“ Technologien
Mirko Geiger, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidelberg

18.25 Uhr Vortrag I
Impulse der Hans-Böckler-Stiftung für die Praxis der Mitbestimmung
Nils Werner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, I.M.U. – Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung, Referat Arbeit und Mitbestimmung / Praxiswissen Betriebsvereinbarungen

18.45 Uhr Vortrag II
Beschäftigungssicherung auf der Basis ,Intelligenter‘“ Technologien – Projektstart
Welf Schröter, Mitbegründer und Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, Mitbegründer der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“ der baden-württembergischen Landesregierung, Mitbegründer des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT

19.15 Uhr Diskussion und Arbeitsgruppen

20.00 Uhr Plenum / Zusammenführung der Ergebnisse

20.30 Uhr Ende der Veranstaltung

Die Veranstaltung findet online statt. Es wird dann ein Zugangslink verschickt. Eine Anmeldung ist erforderlich bei: Welf Schröter schroeter@talheimer.de

 

Einladung zur Veranstaltung „KI zwischen Mythos und Realität“

Einladung zur Veranstaltung „KI zwischen Mythos und Realität: Gestaltungshorizonte und Gestaltungspotenziale für algorithmische Entscheidungssysteme in Unternehmen und betrieblichen Arbeitswelten – Workshop für betriebliche Anwenderinnen und Anwender“

Eine Veranstaltung der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“ in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA sowie mit dem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekt „PROTIS-BIT“ anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ (1991–2021)

Termin: 19. Oktober 2021 von 14.00 Uhr bis 18.15 Uhr. Ort: Haus der Wirtschaft Stuttgart, Willi-Bleicher-Straße 19. Anfahrt: https://www.hausderwirtschaft.de/anfahrt

Wie können Sozialpartner die Einführung von „Künstlicher Intelligenz“ und algorithmischen Entscheidungssystemen im Betrieb gestalterisch voranbringen? Wie kann die Stärkung der Gestaltungskompetenz erleichtert werden? – Auf diese Fragen will der Workshop für betriebliche Anwenderinnen und Anwender tendenzielle Antworten aufbereiten. Im Mittelpunkt steht dabei ein Vorschlag des gewerkschaftsnahen „Forum Soziale Technikgestaltung“, der Kriterien für den betrieblichen Umgang mit „lernender“ bzw. sich selbst verändernder Software sowie Impulse für einen erfolgreichen moderierten Spezifikationsdialog enthält. Sie sind eingeladen zu einem offenen Dialog über innovatives Handlungswissen. Die Teilnahme ist kostenfrei. Link zur Anmeldung.

12.30 Uhr – 14.00 Uhr Imbiss und Get-together

14.00 Uhr
Begrüßung und Einführung
Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl, Institutsleiter Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA
Dr. Marc-Daniel Moessinger, VDMA Baden-Württemberg, Projektleiter Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg
Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung

14.20 Uhr Vortrag
Hat die Maschine eine eigene Moral?
Prof. Dr. Peter G. Kirchschläger, Leiter des Instituts für Sozialethik ISE an der Universität Luzern

14.50 Uhr Vortrag
Arbeitsvermögen und algorithmische Entscheidungssysteme
Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Institut für Soziologie, Lehrstuhl für Soziologie mit dem Schwerpunkt Technik – Arbeit – Gesellschaft, Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

15.20 Uhr Rückfragen zu beiden Vorträgen

15.40 Uhr Kaffeepause

16.10 Uhr Zur Diskussion gestellt
Gestaltungsmöglichkeiten algorithmischer Entscheidungssysteme im Unternehmen
Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung, Mitbegründer der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“

16.40 Uhr Replik I
Potenziale und Grenzen des maschinellen Lernens in produzierenden Unternehmen
Prof. Dr.-Ing. Marco Huber, Leiter des Zentrums für Cyber Cognitive Intelligence CCI, Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

17.10 Uhr Replik II
Erfahrungen aus der Unternehmenspraxis
Prof. Dr. Rupert Felder, Leiter Personal Heidelberger Druckmaschinen AG

17.40 Uhr Moderierte Diskussion

18.05 Uhr Zusammenfassung und Ausblick
Lukas Schleicher, VDMA Baden-Württemberg, Projektmanager Künstliche Intelligenz und Cyber-Security der Koordinierungsstelle Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg

18.15 Uhr Ende der Veranstaltung und Get-together

Die Moderation der Veranstaltung liegt in den Händen von Lukas Schleicher und Welf Schröter.

Die Veranstaltung wird zunächst als Präsenzveranstaltung in den Räumen des Hauses der Wirtschaft Stuttgart vorbereitet. Sollten sich bis zum 5. Oktober die Pandemie-Gefahren derart erhöhen, dass eine Durchführung vor Ort unverantwortlich wäre, findet die Veranstaltung online statt. Es wird dann ein Zugangslink verschickt.

Link zur Anmeldung.