„Der mitbestimmte Algorithmus“: Übersicht über die Jubiläumsveranstaltungen „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“

Zum Thema „Der mitbestimmte Algorithmus“ findet anlässlich des Jubiläums „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) eine Reihe von Veranstaltungen und Fachdialogen statt, mit denen wir unsere Kriterien zur Gestaltung neuerer digitaler Herausforderungen in der Arbeitswelt zur Diskussion stellen. Mit den neuen Herausforderungen sind jene technischen Innovationen gemeint, die als sogenannte „Künstliche Intelligenz“ bezeichnet werden. Im FST-Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ verwenden wir die uns passendere Benennung „Algorithmische Steuerungs- und Entscheidungssysteme“. Die Veranstaltungen wenden sich an Frauen und Männer in Betriebs- und Personalräten und Belegschaften, an Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, an Bürgerinnen und Bürger sowie an Personen aus Arbeitgeber- und Wissenschaftszusammenhängen. Hier die Übersicht zu den Tagungen mit den Links zu den Programmangaben und den jeweils unterschiedlichen Anmeldemöglichkeiten :

Online-Veranstaltung am 5. Oktober 2021 für Betriebsräte und Beschäftigte: Einladung von IG Metall Heidelberg und „Forum Soziale Technikgestaltung“ zum Projektstart: Betriebsräte gestalten „intelligente“ Technologien. Link zum Programm.

Offizielle DGB-Veranstaltung am 13. Oktober 2021 für Kolleginnen und Kollegen aus den Gewerkschaften im DGB-Haus in Stuttgart: Einladung von DGB Baden-Württemberg und „Forum Soziale Technikgestaltung zur Tagung „Zukunft Mitbestimmung 2025“. Link zum Programm.

Einladung zur Fachveranstaltung am 19. Okt. 2021 im Haus der Wirtschaft in Stuttgart anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“: „KI zwischen Mythos und Realität. Gestaltungshorizonte und Gestaltungspotenziale für algorithmische Entscheidungssysteme in Unternehmen und betrieblichen Arbeitswelten“. Eine Veranstaltung der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“ in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) und dem Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA sowie mit dem von der Hans-Böckler-Stiftung geförderten Projekt „PROTIS-BIT“ anlässlich des Jubiläums „30 Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ (1991–2021). Link zum Programm.

Einladung zum Fachdialog am 27. Oktober 2021 in Stuttgart zwischen dem „Forum Soziale Technikgestaltung“, dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und Cyber Valley anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“: „Ethische und soziale Kriterien zur Gestaltung algorithmischer Steuerungs- und Entscheidungssysteme“. Link zum Programm.

Einladung zur Bürger-Diskussion am 29./30. Oktober 2021 in Rottweil in der Veranstaltung des Fritz-Erler-Forums / Friedrich-Ebert-Stiftung Baden-Württemberg, der Evangelischen Kirchengemeinde Rottweil und des „Forum Soziale Technikgestaltung“ – unterstützt vom Netzwerk „Sozialer Zusammenhalt in digitaler Lebenswelt“: Der Mensch im Mittelpunkt: IST DIE ,KÜNSTLICHE INTELLIGENZ‘ DIE INTELLIGENZ DER ZUKUNFT? Link zum Programm.

Einladung zum Online-Vortrag „Zur Demokratisierung des Algorithmus“ in der Reihe „Arbeitswelt trifft Philosophie – Philosophie trifft Arbeitswelt“ am 18. November 2021 im Rahmen der UNESCO-Aktion „Lange Nacht der Philosophie“ in Kooperation mit der „Langen Nacht der Philosophie Zürich“ – Eine Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ (1991-2021). Link zum Programm und zur Anmeldung.

Einladung zur Tagung für Betriebs- und Personalräte am 24. bis 25. November 2021 in der Evangelischen Akademie Bad Boll: Der demokratisierte Algorithmus – 30 Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“. Link zum Programm und zur Anmeldung.

Einladung zum Fachdialog „Wenn Algorithmen schnell gut wirken sollen. Impulse für neue sozialpartnerschaftliche Aushandlungsmodelle zur beschleunigten Einführung algorithmischer Systeme“. Ein gemeinsamer Dialog-Workshop von Baden-Württemberg: connected und „Forum Soziale Technikgestaltung“ anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ am 30. November 2021 im Haus von Baden-Württemberg: connected in Stuttgart. Programm und Anmeldung.

Seien Sie willkommen! Jeweilige Anmeldung vorab ist erforderlich.

Einladung zur Präsenzveranstaltung: Wenn Algorithmen schnell gut wirken sollen

Einladung zur Präsenzveranstaltung „Wenn Algorithmen schnell gut wirken sollen“. Impulse für neue sozialpartnerschaftliche Aushandlungsmodelle zur beschleunigten Einführung algorithmischer Systeme. Ein gemeinsamer Dialog-Workshop von Baden-Württemberg: connected und „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ am 30. November 2021 in Stuttgart

Wie können algorithmische Steuerungs- und Entscheidungssysteme („KI-Systeme“) in Unternehmen einfacher eingeführt werden? Wie können sozialpartnerschaftliche Aushandlungsprozesse so angelegt werden, dass sie Implementierungen beschleunigen? Helfen die vom „Forum Soziale Technikgestaltung“ entwickelten dreißig generischen Kriterien als Anforderungen, um diesen Weg zu ebnen? Hilft der Vorschlag des FST, moderierte betriebsbezogene Spezifikationsdialoge einzuführen?

In diesem Workshop will das FST sein Kriterienkonzept zur Diskussion stellen. Ziel ist es, die Anforderungen mit verschiedenen Partnerinnen und Partnern aus anderen Interessens- und Meinungsfeldern zu beraten und zu verbessern. Letztlich sollen die Ergebnisse als Handlungsanleitungen den betrieblichen Mitbestimmungsakteuren zur Erleichterung ihrer Arbeit mit auf den Weg gegeben werden.

Termin und Ort: Dienstag 30. November 2021 in den Räumen von „Baden-Württemberg: connected“ in Stuttgart, Seyfferstraße 34. Link zur Anmeldung.

Ablauf

14.00 Uhr Begrüßung
Ziele des Dialog-Workshops
Jürgen Jähnert (Baden-Württemberg: connected), Welf Schröter (Forum Soziale Technikgestaltung)

14.15 Uhr Vortrag I
KI aus der Perspektive der Digitalen Souveränität der verschiedenen Akteure
Dr.-Ing. Sascha Alpers, Abteilungsleiter im Forschungsbereich Software Engineering (SE), FZI Forschungszentrum Informatik, Karlsruhe, BMBF-Projekt KARL

14.45 Uhr Rückfragen

15.00 Uhr Vortrag II
Wenn Algorithmen schnell gut wirken sollen. Impulse für neue sozialpartnerschaftliche Aushandlungsmodelle zur beschleunigten Einführung algorithmischer Systeme
Welf Schröter, Mitbegründer und Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, Mitbegründer der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“, Mitglied von Baden-Württemberg: connected, Moderator www.blog-zukunft-der-arbeit.de

15.30 Uhr Rückfragen

15.45 Uhr Kaffeepause

16.10 Uhr Impuls
Wie gelingt ein Spezifikationsprozess?
N.N., [Unternehmen oder Kompetenzzentrum]

16.40 Uhr Rückfragen

16.55 Uhr Moderierte Diskussion

17.30 Uhr Ende der Veranstaltung

Zum Jubiläum „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“: Grußadresse des DGB-Bundesvorsitzenden Reiner Hoffmann an die Mitglieder des Netzwerkes „Forum Soziale Technikgestaltung“

Liebe Kolleginnen und Kollegen des gewerkschaftlichen Netzwerkes „Forum Soziale Technikgestaltung“ beim DGB Baden-Württemberg,
lieber Welf,

was für eine große ehrenamtliche Leistung: Das „Forum Soziale Technikgestaltung“ wird 30 Jahre alt! Seit dreißig Jahren setzt Ihr Euch für eine Humanisierung digitaler Arbeitswelten ein. Ich möchte Euch im Namen des DGB Bundesvorstandes meinen Dank für Euer Engagement ausdrücken. Ihr habt den Menschen ins Zentrum eines weitreichenden technologischen Wandels gestellt. Ihr setzt Euch für die humane, soziale, ethische und ökologische Gestaltung von Arbeits- und Lebenswelten in Vielfalt ein. Das verdient hohen Respekt und ist zugleich Ermutigung für die Zukunft. Ihr wart und seid Vorreiter in der Gestaltung neuer Online-Arbeitsprozesse. Und diese Fragen werden in den nächsten Jahren noch deutlich an Bedeutung gewinnen.

Als das „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) am 7. Oktober 1991 im Stuttgarter Gewerkschaftshaus, dem heutigen „Willi-Bleicher-Haus“, gegründet wurde, trafen sich 120 Frauen und Männer aus Beschäftigtenvertretungen und Gewerkschaften. Über dreißig Jahre hinweg ist die Zahl auf über 4.650 Frauen und Männer aus Betriebs- und Personalräten sowie aus Belegschaften angewachsen. Kolleginnen und Kollegen aus Produktion und Dienstleistung, aus Verwaltung und Handwerk, aus Bildungs- und Sozialträgern, aus Kirchen und Wissenschaften führen Erfahrungs- und Fachwissen im Netzwerk zusammen. Rechnet man den demografischen Wandel, die Zugänge und altersbedingten Rückzüge hinzu, so waren in diesem Forum über den genannten Zeitraum rund 8.000 Menschen aktiv. Das ist eine stolze Bilanz. Dafür gilt dem Initiator, Mitbegründer und Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, dem Kollegen Welf Schröter, großer Dank und Anerkennung. Er steuert moderierend das Netzwerk immer wieder nach vorne in die aktuellen technologischen Herausforderungen.

Die Gründung des FST wurde von dem damaligen DGB-Landesvorsitzenden Siegfried Pommerenke, dem damaligen IG Metall- Bezirksleiter Walter Riester, dem damaligen Vorsitzenden der GEW Baden-Württemberg Rainer Dahlem und von der damaligen ÖTV-Vorsitzenden Monika Wulf-Mathies unterstützt. Zu den späteren besonderen Vortragsgästen zählten u. a. die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Joseph Weizenbaum, Frieder Naschold, Hajo Braczyk, Hans-Jörg Bullinger, Jutta Rump, Ortwin Renn, Sabine Pfeiffer, Ralf Reichwald, Kira Stein und Constanze Kurz. Zum zehnjährigen Bestehen hielt Berthold Huber, der damalige Bezirksleiter der IG Metall Baden-Württemberg, die Festrede.

Heute ist der Ansatz des mehrfach ausgezeichneten „Forum Soziale Technikgestaltung“ aktueller und wichtiger denn je. Mit dem herausfordernden Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ mischt sich das FST selbstbewusst in die Debatte um die Zukunft algorithmischer Steuerungs- und Entscheidungssysteme – auch „Künstliche Intelligenz“ genannt – mit eigenen Anforderungen und Kriterien ein. Das FST ist ein lernendes Netzwerk. Lernend im Sinne eines menschlichen Miteinanders und der Durchsetzung der Interessen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, Erwerbssuchenden und Selbstständigen. Dabei gilt das unveränderliche Leitmotiv, dass Technik dem Menschen zu dienen habe und nicht umgekehrt.

Ich wünsche allen Beteiligten des „Forum Soziale Technikgestaltung“ auch weiterhin viel Kraft, Mut und Erfolg. Ich danke Euch sehr für Eure Arbeit, die auch andere zu ermutigen vermag.

Mit herzlichen Grüßen
Reiner Hoffmann
Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes
September 2021

 

Einladung zum Fachworkshop: Ethische und soziale Kriterien zur Gestaltung algorithmischer Steuerungs- und Entscheidungssysteme

Ein Dialog zwischen dem „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST), dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und Cyber Valley anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“

Workshop am 27. Oktober 2021 von 14.30 Uhr bis 18.45 Uhr in den Räumen des Fraunhofer IAO in Stuttgart-Vaihingen

Seit langem arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an mathematisch-technischen Systemen, die die Arbeit des Menschen auf sogenannte „intelligente“ Weise effizienter gestalten und erleichtern sollen. Dabei entstehen auf der Basis von Maschinellem Lernen auch vielfältige Modelle oder Systeme, die unter dem Begriff „Künstliche Intelligenz“ zusammengefasst werden. Im Kern geht es dabei oft um die Frage, wie komplexe Analyseprozesse auf ein digitales algorithmisches System übertragen werden können und nach welchen mathematisierbaren Kriterien diese (Assistenz-)Systeme Entscheidungen treffen sollen.

Das gewerkschaftliche „Forum Soziale Technikgestaltung“ befasst sich seit dreißig Jahren mit der Humanisierung digital gestützter Arbeitswelten. Seit mehreren Jahren entwickelt das FST Kriterien zur Gestaltung algorithmischer Steuerungs- und Entscheidungssysteme. In dem Dialog-Fachworkshop soll der bisherige Stand der FST-Kriterien zur Diskussion gestellt und weiterentwickelt werden. Das FST spricht in Ergänzung zum Begriff „Assistenztechnik“ von der notwendigen Gestaltung der „Delegationstechnik“.

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO entwickelt gemeinsam mit Unternehmen, Institutionen und Einrichtungen der öffentlichen Hand Strategien, Geschäftsmodelle und Lösungen für die digitale Transformation. Es ist mitverantwortlich für das KI-Fortschrittszentrum »Lernende Systeme«, das durch Technologietransfer die Lücke zwischen KI-Spitzenforschung und der breiten Anwendung in der produzierenden Industrie schließt.

Cyber Valley ist Europas größtes Forschungskonsortium im Bereich der künstlichen Intelligenz mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Das Land Baden-Württemberg, die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sind u.a. die Gründungspartner dieser Initiative. Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO ist assoziiert mit Cyber Valley.

Ablauf

14.30 Uhr Begrüßung und Einführung
Ziele des Dialog-Workshops
Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung beim DGB Baden-Württemberg
Dr. Matthias Tröndle, Cyber Valley, General Manager

14.45 Uhr Vortrag I
Ethische Anforderungen an die Gestaltung von KI-Technologien
PD Dr. Jessica Heesen, Forschungsschwerpunkt Medienethik und Informationstechnik (Leitung), Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften, Universität Tübingen

15.15 Uhr Rückfragen

15.30 Uhr Vortrag II
Soziale Kriterien für die Gestaltung algorithmischer Steuerungs- und Entscheidungssysteme zwischen Assistenz- und Delegationstechnik
Welf Schröter, Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, Mitbegründer der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“

16.00 Uhr Rückfragen

16.15 Uhr Kaffeepause

16.40 Uhr Vortrag III
Anforderungen an die Entwicklung von KI-Systemen
Dr. Matthias Peissner, Leiter Forschungsbereich Mensch-Technik-Interaktion, Fraunhofer IAO, Partner im Cyber Valley

17.10 Uhr Nachfragen

17.25 Uhr Vortrag IV
Die Gestaltung von KI-Systemen aus betriebsrätlicher Perspektive
Monika Heim, Festo SE & Co. KG, Betriebsrat Esslingen

17.55 Rückfragen

18.10 Uhr Moderierte Plenumsdiskussion der Vortragenden und Teilnehmenden
Moderation: Patrick Klügel, Cyber Valley, Public Engagement Manager

18.45 Uhr Ende der Veranstaltung

Eintritt frei. Anmeldung erforderlich bei: Welf Schröter schroeter@talheimer.de

 

Einladung zur Tagung für Betriebs- und Personalräte „Der demokratisierte Algorithmus“

Einladung zur Tagung „Der demokratisierte Algorithmus“ – 30 Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“ am 24. bis 25. November 2021 in der Evangelischen Akademie Bad Boll

Im Prozess der digitalen Veränderungen der Arbeitswelt müssen Perspektiven immer wieder neu überprüft werden. Die Fachtagung zum Jubiläum des Netzwerks „Forum Soziale Technikgestaltung“ bietet dazu sozialwissenschaftliche Expertise und reichlich Gelegenheit zur gemeinsamen Diskussion. Die Soziologin Prof. Dr. Sabine Pfeiffer zeigt im Eröffnungsvortrag, wie ökonomische Beweggründe die digitalen Veränderungen antreiben: „Digitalisierung als Distributivkraft – Über das Neue am digitalen Kapitalismus“. Welf Schröter analysiert in seinem Beitrag die Fragen: Wo stehen wir im Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“? Wie gelingt die partizipative Mitwirkung von Beschäftigten? Wie geht der Weg weiter zum „Demokratisierten Algorithmus“? Dr. Bettina-Johanna Krings vom Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse vermittelt in ihrem Beitrag Einblicke aus einem aktuellen Projekt zu ethischen Kriterien bei der Gestaltung von „Künstlicher Intelligenz“. – Die Jubiläumstagung will vor allem Betriebs- und Personalräte zur Diskussion einladen und Impulse vermitteln, wie das Ziel einer mitbestimmten und demokratisierten Arbeitswelt vorangebracht wird.

Link zum Tagungsflyer und Link zur Programm-WebSite der Evang. Akademie Bad Boll

Programm

Mittwoch, 24. November 2021

13:00 Uhr Ankunft in der Evangelischen Akademie Bad Boll, Zimmerbezug, Willkommenskaffee

14:00 Uhr Einführung Auf dem Weg zum „demokratisierten Algorithmus“ – 30 Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“ – Partner der Evangelischen Akademie Bad Boll
Begrüßung durch Karl-Ulrich Gscheidle, Wirtschafts- und Sozialpfarrer Kirchlicher Dienst in der Arbeitswelt (KDA)

14:15 Uhr Vortrag Digitalisierung als Distributivkraft – Über das Neue am digitalen Kapitalismus
Prof. Dr. Sabine Pfeiffer, Lehrstuhl für Soziologie (Technik-Arbeit-Gesellschaft), Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

15:00 Uhr Rückfragen

15:15 Uhr Vortrag Zukunft der Arbeit und Erweiterung der Mitbestimmung: Das Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ des „Forum Soziale Technikgestaltung“
Welf Schröter, Mitbegründer und Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, Mitbegründer der „Allianz 4.0 Baden-Württemberg“, Projekt PROTIS-BIT, Projekt „KARL“, Redaktion „Latenz“

16:00 Uhr Rückfragen

16:15 Uhr Kaffeepause

16:45 Uhr Parallele Arbeitsgruppen
Arbeitsgruppe 1: Digitaler Kapitalismus (Karl-Ulrich Gscheidle)
Arbeitsgruppe 2: Der mitbestimmte Algorithmus (Welf Schröter)

18:00 Uhr Abendessen

19:30 Uhr Erinnerungen an dreißig Jahre „Forum Soziale Technikgestaltung“
Im Gespräch mit Welf Schröter und den Gästen Ulrike Zenke (IG Metall Heidelberg, Mitbegründerin des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT) und Michael Schwemmle (damals Deutsche Postgewerkschaft, dann ver.di und langjähriger Geschäftsführer der Input Consulting). Moderation: Karl-Ulrich Gscheidle

Donnerstag, 25. November 2021

08:00 Uhr Morgenimpuls

08:20 Uhr Frühstück

09:00 Uhr Einführung in den Tag – Ergebnisse der Diskussionen vom Vortag
Karl-Ulrich Gscheidle, Welf Schröter

09:20 Uhr Ethische Kriterien zur Gestaltung der „Künstlichen Intelligenz“
Dr. Bettina-Johanna Krings, Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse (ITAS), Projekt „KARL“

09:50 Uhr Rückfragen

10:00 Uhr Parallele Arbeitsgruppen (Fortsetzung)

10:45 Uhr Kaffeepause

11:00 Uhr Fortsetzung der Arbeitsgruppen

11:45 Uhr Abschlussplenum – Ergebnisse der Tagung (Karl-Ulrich Gscheidle, Welf Schröter)

12:30 Uhr Mittagessen / Ende der Tagung

Bitte melden Sie sich bis spätestens 5. November 2021 an unter Link zur Anmeldung
Sie erhalten eine Anmeldebestätigung.

Gesamtpreis/Person: Bei Unterbringung im Einbettzimmer 130,00 €, bei Unterbringung im Zweibettzimmer 112,00 €. Ohne Übernachtung und Frühstück 63,00 €. In allen Preisen ist die gesetzliche Mehrwertsteuer enthalten. Kosten für nicht eingenommene Mahlzeiten werden nicht erstattet. Gäste ohne Übernachtung zahlen das Frühstück an der Rezeption.

 

Einladung zur Jubiläumsveranstaltung „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“: Zukunft Mitbestimmung 2025

Einladung zur offiziellen DGB-Jubiläumsveranstaltung zu „Dreißig Jahre Forum
Soziale Technikgestaltung“ mit dem Thema: „Zukunft Mitbestimmung 2025 – Von der Mitbestimmung über die Anwendung der Technik zur Mitbestimmung in der Gestaltung der Technik“ am Mittwoch 13. Oktober 2021 von 14.00 Uhr bis 19.00 Uhr

Anlässlich des dreißigjährigen Bestehens des ehrenamtlichen Personennetzwerkes „Forum Soziale Technikgestaltung beim DGB Baden-Württemberg“ laden der DGB Baden-Württemberg und das „Forum Soziale Technikgestaltung“ zur Jubiläumsveranstaltung ins Willi-Bleicher-Haus nach Stuttgart ein. Nach einem kurzen Rückblick wollen wir vor allem in die Zukunft schauen. Im Zentrum steht die Verknüpfung sozialer Technikgestaltung mit einer zu erweiternden Mitbestimmung. Mit der Veranstaltung „Zukunft Mitbestimmung 2025“ wollen wir diesen Fragen nachgehen: Wie müsste sich Mitbestimmung erweitern und wandeln? Wie müsste sie ermutigt und ausgestattet werden, um auf die zukünftigen Herausforderungen der kommenden Digitalisierungsschübe vorbereitet zu sein? Wie schaffen wir die Mitbestimmung in der Anwendung algorithmischer Entscheidungssysteme? Wie gelingt der „mitbestimmte Algorithmus“? – Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Interessierte sind herzlich willkommen. Eintritt frei. Um Anmeldung wird gebeten bei: schroeter@talheimer.de
(Sollte die Pandemie anhalten, wird die Umwandlung der Präsenzveranstaltung in eine Online-Variante geprüft. Die Entscheidung wird Ende September getroffen.)

Programmablauf

Ab 13.00 Uhr Ankommen (get together) mit Begrüßungskaffee

14.00 Uhr Begrüßung und Einführung
Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung beim DGB Baden-Württemberg
Martin Kunzmann, Vorsitzender des DGB Baden-Württemberg

14.25 Uhr Vortrag
Der „mitbestimmte Algorithmus“ – Von der Mitbestimmung über die Anwendung der Technik zur Mitbestimmung in der Gestaltung der Technik 
Welf Schröter, Leiter des Forum Soziale Technikgestaltung, Mitbegründer der Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg, Projekt PROTIS-BIT, www.blog-zukunft-der-arbeit.de

15.10 Uhr Rückfragen

15.25 Uhr Vortrag
Die Zukunft der Mitbestimmung in der digitalen Transformation
Dr. Constanze Kurz, Gesamtbetriebsrat Robert Bosch GmbH Stuttgart

15.50 Uhr Rückfragen

16.05 Uhr Kaffeepause

16.25 Uhr Vortrag
Rahmen-Dienstvereinbarung zur Digitalisierung und Verwaltungstransformation
am Beispiel der Landeshauptstadt Stuttgart
Claudia Häussler, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats Landeshauptstadt Stuttgart, Chris Purz, Mitglied des Gesamtpersonalrats Landeshauptstadt Stuttgart

16.50 Uhr Rückfragen

17.05 Uhr Vortrag
Das japanische Regierungskonzept „Society 5.0“
Dr. Martin Pohl, Counsellor an der Deutschen Botschaft in Tokio (online aus Tokio zugeschaltet)

17.30 Uhr Rückfragen

17.45 Uhr Vortrag
Gewerkschaftliche Interventionen in die Transformation
der baden-württembergischen Automobilindustrie
Kai Burmeister, IG Metall Bezirk Baden-Württemberg

18.10 Uhr Rückfragen

18.25 Uhr Offene Diskussion

18.50 Uhr Ausblick
Wie geht es weiter mit dem Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“
Welf Schröter, Forum Soziale Technikgestaltung, Projekt PROTIS-BIT

19.00 Uhr Ende

Um Anmeldung wird gebeten bei: schroeter@talheimer.de

 

Einladung zum Online-Projektstart: Betriebsräte gestalten „intelligente“ Technologien

Einladung zum Online-Projektauftakt am 5. Oktober 2021 um 18.00 Uhr „Betriebsräte gestalten „intelligente“ Technologien“. Eine gemeinsame Veranstaltung der IG Metall Heidelberg, des „Forum Soziale Technikgestaltung“, des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT -– anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“.

Auftakt des Projektes „PROTIS-BIT – PROaktive Transferierbare InnovationsStrategien von Betriebsräten zur Beschäftigungssicherung auf der Basis ,Intelligenter‘“ Technologien – Empirische Studie zu Entwicklungspotenzialen und Gestaltungskompetenzen von Betriebsräten“.

Betriebsrätinnen und Betriebsräte sind im derzeitigen Umbau- und Veränderungsprozess mehrfach herausgefordert: Sie müssen zum einen die errungenen sozialen Standards im Vorgang der digitalen Transformation absichern und weiterentwickeln. Zum anderen sind die Akteurinnen und Akteure der Mitbestimmung mit der Frage konfrontiert, wie mit Hilfe und auf der Basis dieser qualitativ neuen Techniken in Gestalt sich selbst verändernder Software-Systeme, die sich von der „nachholenden Digitalisierung“ deutlich unterscheiden, Arbeitsplätze gesichert und neue Beschäftigung geschaffen werden kann. Betriebsräte wollen eigeninitiativ technische Innovationen für neue Produkte, Dienste und Dienstleistungen befördern sowie zugleich soziale Innovationen zur Humanisierung der Arbeitswelten voranbringen.

Zu den großen Herausforderungen gehört die besondere Eigenschaft eines Teils der sich selbst verändernden digitalen Systeme in Produktion, Dienstleistung und Verwaltung, die nach ihrer Implementierung kaum oder nicht mehr gestaltbar sind. Somit muss die soziale Ausgestaltung vorausschauend vor der Implementierung erfolgen. Das „Forum Soziale Technikgestaltung“ bezeichnet dies daher als „vorausschauende Arbeitsgestaltung“ bzw. „vorausschauende Technikgestaltung“.

Seit mehr als zehn Jahren ist im Raum Heidelberg das Betriebsräte-Netzwerk ZIMT aktiv, das von der IG Metall Heidelberg und dem „Forum Soziale Technikgestaltung“ getragen wird. Dieses Netzwerk vermittelt Orientierungswissen und sensibilisiert für Gestaltungsinitiativen. Die in ZIMT versammelten Akteurinnen und Akteure der Mitbestimmung verfügen über ein hohes Maß an Erfahrungswissen und Sachkompetenz. Das neue Projekt „PROTIS-BIT“ soll helfen, Mitbestimmungsakteure zu unterstützen, indem Handlungs- und Orientierungswissen (Praxisbeispiele) erarbeitet und online zur Verfügung gestellt wird. Das Projekt wird gefördert vom Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung I.M.U. (Referat Arbeit und Mitbestimmung) der Hans-Böckler-Stiftung.

Ablauf der Veranstaltung

18.00 Uhr Begrüßung
Ulrike Zenke, IG Metall Heidelberg, Mitbegründerin des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT

18.10 Einführung
Betriebsräte gestalten „intelligente“ Technologien
Mirko Geiger, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Heidelberg

18.25 Uhr Vortrag I
Impulse der Hans-Böckler-Stiftung für die Praxis der Mitbestimmung
Nils Werner, Wissenschaftlicher Mitarbeiter, I.M.U. – Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung, Referat Arbeit und Mitbestimmung / Praxiswissen Betriebsvereinbarungen

18.45 Uhr Vortrag II
Beschäftigungssicherung auf der Basis ,Intelligenter‘“ Technologien – Projektstart
Welf Schröter, Mitbegründer und Leiter des „Forum Soziale Technikgestaltung“, Mitbegründer der „Allianz Industrie 4.0 Baden-Württemberg“ der baden-württembergischen Landesregierung, Mitbegründer des Betriebsräte-Netzwerkes ZIMT

19.15 Uhr Diskussion und Arbeitsgruppen

20.00 Uhr Plenum / Zusammenführung der Ergebnisse

20.30 Uhr Ende der Veranstaltung

Die Veranstaltung findet online statt. Es wird dann ein Zugangslink verschickt. Eine Anmeldung ist erforderlich bei: Welf Schröter schroeter@talheimer.de

 

Rückblick auf die erste Hälfte des FST-Jubiläumsjahres 2021

Die Veranstaltungen anlässlich „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ vom Februar bis Juli 2021

Zusammen mit Partnerinnen und Partnern konnten in der Zeit von Februar bis Juli 2021 eine Reihe von Online-Veranstaltungen und zahlreiche Online-Vorträge anlässlich des Jubiläums „Dreißig Jahre Forum Soziale Technikgestaltung“ stattfinden. Sechzehn offene Online-Abende und elf Online-Vorträge in geschlossenen Belegschaftskreisen erreichten mehrere hundert Kolleginnen und Kollegen. Im Zentrum stand ein neues Verständnis von Digitalisierung und die beabsichtigte Ausweitung der Mitbestimmung. Für letztes steht das Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“. Das unten angefügte pdf-Dokument zeigt einen Rückblick auf die sechzehn Anlässe.

Seit nunmehr dreißig Jahren besteht das Netzwerk „Forum Soziale Technikgestaltung“ (FST) beim DGB Baden-Württemberg. Der Schritt zur Gründung im Herbst 1991 war eine soziale Innovation. Ein horizontales Netzwerk mit ganzheitlichem Ansatz wollte und will die Gestaltungskompetenz der Frauen und Männer in Betriebs- und Personalräten, in Vertrauensleutegremien und Belegschaften stärken. Aus den 120 Gründungsbeteiligten erwuchs eine Community mit heute mehr als 4.600 Personen. Kompetent, interessengeleitet und zielgerichtet mischen sich Kolleginnen und Kollegen in die Technikentwicklung und Technikimplementierungen ein. Statt Fremdbestimmung und Entlassungen soll die Humanisierung der Arbeitswelten und die Beschäftigungssicherung mitbestimmt voran gebracht werden.

Siehe: (Rückblick_FST-Jubiläumsreihe_Februar-Juli_2021.pdf)

 

HomeOffice-Tipp 5: Wenn das HomeOffice unter die Kontrolle sogenannter „intelligenter“ Software gerät

Derzeit ist in Zeitungen häufig zu lesen, dass das HomeOffice etwas mit „Künstlicher Intelligenz“ zu tun habe. Dies ist nicht der Fall. „Alternierende Telearbeit“ oder „Mobiles Arbeiten“ sind Organisationsformen von Arbeit. Es sind aber keine Technologien. Dennoch kann es sein, dass ein „Homeworker“ im Rahmen eines Arbeitsablaufes plötzlich im Netz mit einer Software in Berührung kommt, die nicht zum HomeOffice gehört, aber möglicherweise in das HomeOffice von außen eingreifen will. Dies kann eine im Netz frei flottierende Schadenssoftware (Malware) sein, die im heimischen Rechner schädliche Viren hinterlassen will, um den heimischen Rechner von außen zu „kapern“ und fernzusteuern. Dies gehört alles zum großen Kapitel „Security“, also technische Datensicherheit. Zweifellos sollte man, bevor man seinen HomeOffice-Rechner in Gang setzt, Antivirensoftware und Daten-Backup-Möglichkeiten vorbereitet haben.

Ein völlig anderer Vorgang ist es aber, wenn ein Arbeitgeber unzulässiger Weise sogenannte „intelligente“ Software einsetzt, um die Leistungen und das Leistungsprofil der Homeworker zu überwachen, um heimliche Rankings der MitarbeiterInnen gegeneinander zu praktizieren etc. Solche Vorgehensweisen sind in der Regel rechtswidrig und sollten umgehend dem Betriebsrat bzw. dem Personalrat gemeldet werden.

Aus der Perspektive der Technikentwicklung ist zu erkennen, dass sich HomeOffices auch flexibel und für gewisse Zeiten zu wechselnden Call-Center-Einrichtungen zusammenschalten lassen. Wenn beispielsweise eine Firma pro Tag enorm viele Anrufe erhält, die weit über die Belastbarkeit des Telefonservice hinausgeht, könnte eine Software die eingehenden Anrufe so umverteilen, dass in Spitzenzeiten bedarfsorientiert neue Telefonplätze hinzugenommen werden. Die anrufende Person erkennt dabei nicht, dass sie in einem HomeOffice gelandet ist. Sie denkt, sie sei in der Firma, da sie ja die Firmennummer gewählt habe. Zur Steuerung eines solchen virtuellen „atmenden“ Call Centers könnte Software genutzt werden, die Laien womöglich als „Künstliche Intelligenz“ bezeichnen. Es ist aber nur eine gut gemachte mathematische Techniklösung. Mit „Intelligenz“ hat dies nichts zu tun. Mit dem Vorhaben eines solchen „atmenden“ Call Centers muss vor dessen Einführung bzw. Aktivierung die Beschäftigtenvertretung befasst worden sein. Hier greift die Mitbestimmung.

Am Horizont ist zu erkennen, dass für die Organisation der Arbeitsabläufe und für die Steuerung der Arbeitsprozesse auch neue Typen von Software in Nutzung kommen werden. Diese neue Software ist eine besonders mathematisch qualifizierte Art, die von ihren EntwicklerInnen fälschlicherweise als „denkend“ oder „lernend“ bezeichnet werden. Diese Software ist aber nur Mathematik. Ihre Besonderheit liegt darin, dass sie Datenverarbeitung mit Entscheidungsprozessen kombiniert. Sie kann anstelle des Menschen rechtsverbindliche Entscheidungen treffen. Das Forum Soziale Technikgestaltung hat als Unterstützung für Betriebs- und Personalräte das Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ gestartet. Mit klaren Zulassungskriterien soll erreicht werden, dass solche Systeme zwar in vereinbarter Form Entscheidungen über Sachen (Material, Energie etc.) nicht aber über Menschen treffen können. Das FSt will die Demokratisierung solcher „algorithmischer Entscheidungssysteme“.

Lesetipp: Welf Schröter: Der mitbestimmte Algorithmus. Arbeitsweltliche Kriterien zur sozialen Gestaltung von Algorithmen und algorithmischen Entscheidungssystemen. In: Welf Schröter (Hg.): Der mitbestimmte Algorithmus. Gestaltungskompetenz für den Wandel der Arbeit. Oktober 2019, S. 101–150. ISBN 978-3-89376-181-4.

 

Das „neue Normale“ als Instrument des Rückwärtsganges

Wer Technik gestalten will, denkt vor allem in Möglichkeiten, in neuen werdenden Möglichkeiten. Technische Produkte, Werkzeuge, Plattformen sind keine unumstößlichen Gegebenheiten, die man hinnehmen muss. Technik ist von Menschen geschaffen und kann von Menschen verändert werden. Technikgestaltung folgt der Vorstellung, dass die in der Technik und hinter der Technik stehenden Interessen offen angesprochen und transparent gemacht werden. Es gibt keine „neutrale“ Technik.

Technische Lösungen sind immer Ausdruck des Wertezusammenhangs und der Interessen jener Menschen, die solche technischen Lösungen hervorbringen oder dafür bezahlt werden. Soziale Technikgestaltung hingegen will die Interessenbündel in der Technikentwicklung demokratisieren und bislang nicht berücksichtigte Interessengruppen in den Gestaltungsprozess hineinnehmen.

Als in den neunziger Jahren junge, zumeist männliche, gesunde, seh- und hörfähige Entwickler ihre Produkte präsentierten, konnte man sich schnell darüber einig werden, dass das Entwicklerteam die Lebenslage von Seh- und Hörgeschädigten komplett vergessen hatte. Als Folge pluralisierte sich die Software-Szene. Von nun galt es eher als schick, neue WebSites zu kreieren, die barrierefrei sind. Dies ist ein einfaches Beispiel von Technikgestaltung, bei der „vergessene“ Interessen endlich eingebunden wurden.

Gute Technikgestaltung lebt von der Offenheit für Neues, von der Fähigkeit, andere Nutzungsinteressen zu berücksichtigen, von der Ermöglichung des noch nicht Geschaffenen. So entstehen auch soziale Innovationen, die gesellschaftlich inklusiv wirken. Was aber bedeutet es für die Potenziale innovativer Technikgestaltung, wenn die Perspektive der Möglichkeit weggedrückt und durch die „stumme Macht des Faktischen“ ersetzt wird? Wenn statt neuen Wegen nur noch das Unabänderliche zu gelten scheint?

Wenn Betriebsrätinnen und Betriebsräte darüber nachdenken, wie die Nutzung von Algorithmen und algorithmischen Entscheidungssystemen nach sozialen Schutzstandards und gesellschaftlichen Interessen offen gelegt und gestaltet werden können, suchen sie nach neuen Möglichkeiten. Das Projekt „Der mitbestimmte Algorithmus“ des Forum Soziale Technikgestaltung will dafür Lösungen beibringen. Einem solchen Suchen nach neuen Wegen wird allzugern entgegengehalten, „dass das nicht gehe“. Technik sei nun mal Technik und sie folge eigenen Gesetzen. Doch wenn man diesen „eigenen Gesetzen“ eine genauere Aufmerksamkeit schenkt, wird schnell offensichtlich, dass nur schlichte Ablehnung der Gestaltungs- und Änderungsansätze gemeint ist. Man solle sich mit dem Vorhandenen zufrieden geben. Die Ideen der anderen Möglichkeiten seien doch nur abwegig.

Für eine solche bremsende Kommunikationsstrategie der Ablehnung gibt es ein vermeintlich „neues“ und vermeintlich „modisches“ Schlagwort, das entmutigen soll und die Enttäuschung zum Tagesinhalt umwerten will. Die Unmöglichkeit der Veränderung, die Unveränderbarkeit heißt nun „das neue Normale“. In den Worten eines einflussreichen Wirtschaftsakteurs klingt die Umwertung noch klarer: „Die coronabedingte Zwangs-Digitalisierung hat viele Unternehmen zum Umdenken gezwungen. Was vor einigen Wochen noch undenkbar erschien, ist nun zu einer ,neuen Normalität‘ geworden.“ Die Wortschöpfung der „Zwangs-Digitalisierung“ zeigt eine fatale Richtung auf. An anderer Stelle wird mit der Parole „Managing The New Normal“ ein Neustart empfohlen. Der „Neustart“ klingt dabei mehr nach einem Rückstart in die Vergangenheit. Woanders vertritt man in ähnlicher Weise die Meinung, die „neue Normalität ist digital.“ Schon fordern die Anhänger der „neuen Normalität“ ein neues „Mindset“. Dies klingt nicht nach der Wahrnehmung neuer Möglichkeiten, sondern eher nach der Stabilisierung eines alten Denkens.

Erforderlich ist das Gegenteil: Die Fähigkeit, neue kreative Möglichkeiten der seit dreißig Jahren andauernden digitalen Transformation auszuloten, sie zu prüfen und partizipativ-demokratisch gestalterisch umzusetzen. Das neue „Noch-Nicht“ sollte das Normale werden.